Sonntag 26ten (26. September 1875)

Cosima Wagner Tagebücher

R. wieder gänzlich erholt; liest in Parzival, findet darin das Spielen mit Ausmalungen, welche von Virgil an bis zu Byron das moderne Epos so sehr von dem antiken (griechischen) unterscheiden! – Nachmittags zum Theater, Herr Unger singt einiges aus Siegfried (letzte Scene); die Stimme weich und voll, die Aussprache sehr gut, mancher Fehler ist noch da, ich glaube aber bestimmt mit R., daß er zu heben sein wird. Abends letzte Besprechung, R. will sehen, wie weit er mit dem Direktor in Düsseldorf kommt, Konventionalstrafe[1] wahrscheinlich zu bezahlen – woher das Geld? Vielleicht ein Konzert in Wien? – Ich antworte der Mutter, daß ich ihr keine so guten Nachrichten von Deutschland geben könne als sie mir von Frankreich; das Beste an den Deutschen sei jedenfalls ihre Unbefriedigung! …


[1] betrifft Engagement von Georg Unger in Düsseldorf, RW schrieb deshalb an den Theaterdirektor Karl Scherbarth, vgl. 2. Oktober.


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