R. hatte eine sehr gute Nacht; morgens kommt Rubinstein von Pest und teilt mit, die Einnahme sei 5300 Gulden netto gewesen, das erste Konzert hier netto 9600 Gulden, so daß unsere Bayreuther zufrieden sein können. Um Mittag die lieblichste Gräfin; darauf Besuche mit R. gemacht. Ein Brief des Königs ist…
In der Ideale heil'ge RäumeMußt Du fliehen aus des Lebens Drang: Freiheit ist nur in dem Reich der TräumeUnd das Schöne blüht nur im Gesang. Dieß rufe ich mit Schiller aus und flüchte mich aus dem Drange des Alltaglebens zu Ihnen empor, Sonne meines Daseins, Wunderborn meiner Ideale! Lange, lange…
Um 8 Uhr fort; der Vater begleitet uns bis zum Bahnhof. Trauriger Abschied! … In Neuhäusel[1] spielt eine Zigeunerbande Tänze auf, R. ersucht sie um den Csárdas und sie spielen einen; es ergreift mich sehr, so wild feurig, melancholisch öde, ich muß an den Vater denken; der Himmel ist grau….
Des Morgens besuche ich das Museum; leider ist die Esterhazy'sche Galerie geschlossen. Im ganzen traurigster Eindruck des ungarischen Landes, es scheint einer vollständigen Auflösung entgegen zu gehen. Der Diebstahl in der Administration an der Tagesordnung, dazu der Größenwahn – es darf kein Wort deutsch gesprochen [werden]. Das Leben ist horrend…
Generalprobe; häßlicher Saal, schlechte Akustik, ungenügende Vorproben; der Vater spielt das Konzert von Beethoven zu unserem völligen Erstarren; unerhörter Eindruck! Unvergleichlicher Zauber, kein Spielen, ein Ertönen. Richard sagt, dies mache alles tot. Wir speisen zusammen im Hotel Hungaria. Abends Fl. Holländer von Richter dirigiert; ungarisch und italienisch gesungen. Große Enttäuschung!…
Endlich eine gute stille Nacht für R.; leidige Nachrichten vom Hause, welche mich zwingen zu Korrespondenzen. Spaziergang mit R. bei rauhestem Wetter; den Vater heimgesucht, seltsam wehmütiger Eindruck! – – – Abends Diner im Casino, zwei Grafen Apponyi[1], ein Herr von Husar, Abgeordneter, Mihalovich[2]. Es wird darauf bei Richters musiziert….