Montag 27ten (27. Dezember 1875)

Cosima Wagner Tagebücher

R. träumte, die Königin von Preußen gäbe sich ihm als seine Mutter zu erkennen! … »Gerechtigkeit ein schönes Wort, Geschlechtlichkeit wirkt immer fort«, spricht er auf einmal lachend bei Tisch aus. – Gestern hatte er dem Gespräch einiger Leute im Bierhaus zugehört, Verarmung der Dörfer, keiner will arbeiten, die Juden kaufen Waldungen und Vieh auf, sie steigern die Preise, alles verkommt! – – – R. empfindet großen Ekel gegen die Komposition für Amerika, sie sei seiner nicht würdig! – – Bittere Empfindungen gegen Bismarck. – – Ganz allein auf Feustel angewiesen und einige junge Leute! »Wenn es gut zu Stande kommt«, sagt R., »werden wir nichts, du und ich, als Schluchzen und Weinen haben, denn wir haben zu viel gelitten; kommt es schlecht zu Stande, so wird der Ärger uns straff erhalten und der Stolz.« – – – O Gott, könnte ich helfen! Abends in den Sagen von Grimm und in der Broschüre Semper’s über die Baustile gelesen.

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