#countdown1876 – Heute vor 150 Jahren

Der Weg zu den ersten Bayreuther Festspielen in Tagebucheinträgen und Briefen

Im August 1876 werden die ersten Bayreuther Festspiele stattfinden, doch 2 1/2 Jahre davor, droht die Unternehmung zu scheitern. Der Plan das „Theater“ durch die Ausgabe von Patronatsscheinen über die Richard Wagner Verbände zu finanzieren geht nicht auf und König Ludwig II. will keine klare Aussage machen, ob er für den benötigten Restbetrag bürgt. Cosima und Richard leben mit den Kindern in Bayreuth. Sie bauen gleichzeitig ihr Haus und das „Theater“; beide sind überanstrengt und voller Sorge. Was wird die Zukunft nur bringen?

Mai 1874

R. instrumentiert wiederum; ich tue nicht viel außer umher schauen, mit Loldi lesen (deutsche Geschichte u.s.w.) und mich herumschleppen, da mein Übelbefinden sehr groß ist. Nachmittags mit den Kindern gespielt, weil sie kleine Gäste haben. Abends wollten wir „Perikles“ lesen, fanden ihn aber nicht in der Tieck-Schlegel’schen Ausgabe[i]. [i] „The Late,…

View more

Allerlei Briefe geschrieben, nach Warschau, Berlin u.s.w., dabei immer viel Einrichtungssorgen. R. instrumentiert eine Seite, befindet sich aber immer nicht recht wohl. Wir beschließen abends den „Titus“ mit großem Staunen. – Am Morgen machten uns unsere zwei Hähne viel Spaß, welche ein völliges Duett sangen, „die zwei Trompeter aus Lohngrin“,…

View more

April 1874

Unruhige Nacht. Morgens wiederum Konferenz, Kontrakte abgeschlossen, herzlicher Abschied von allen Beteiligten. Erstes Mittagessen, recht heiter und froh, alles noch gesund, ich nehme nach der Unterbrechung von 10 Tagen dieses Buch wieder auf.  Schwer liegt auf dem Herzen der fernen Freundin Siechtum und eine Notiz aus einer Zeitung, daß Hans[1] in…

View more

… lauter Umzugsnöte, dazwischen für mich der furchtbare Schlag der Nachricht von Marie Muchanoff’s Sterbenskrankeit, unter entsetzlichen Schmerzen! … Viele Schätze aus der Fülle des Geistes und des Herzens gehen nun für dieses Buch verloren, da ich betäubt von dem Eindruck und ohnedies überbeschäftigt erst im Hause (zum letzten Glück)…

View more

Konsistorialrätliche Besuche. R. arbeitet. Ärgerlichkeiten mit den herzoglichen Hühnern, welche auf einmal sehr umständlich sind. Lulu weiter in „Wallenstein[1]“ gelesen, R. erweckt Wallenstein bei Lietzen[2] durch ein kräftiges Kikeriki, ihm eingegeben durch die Unannehmlichkeiten mit den Hühnern. Nachmittags alle Kinder unwohl und zu Bett. Wir lesen im Schopenhauer (ich glaube das…

View more

März 1874

Vollkommenes Frühjahrs-Wetter, R. aber leider immer nicht wohl, kann nicht arbeiten. Er empfängt einen Brief von Fritzsch[1], aus welchem erhellt, daß wiederum ein Brief R‘s an einen Herrn Luckardt[2] mißbraucht worden ist, und zwar gegen Fritzsch; er erwidert. Eine andere Rubrik: Neuester Wagner-Schwindel, berichtet, daß er Frau Mallinger[3] nach Bayreuth zitiert habe,…

View more

Frühlingsstürme und viele Hausnöte, große Schwermut, doch Freude an den Kindern. Abends liest mir R. aus Freytag’s Buch, Myconius bei Tetzel[i] und den Ablaß-Kram, sehr interessant. Keine lebenden Bilder, sondern eine Bilder-Auktion veranstaltet Marie Schl. zu Gunsten Bayreuths. [i] Myconius bei Tetzel: Friedrich Mecum, gen. M. (1490-1546), Franziskanermönch, schloß sich 1517 Luther…

View more

Februar 1874

Die Woche über nicht in das Tagebuch geschrieben, meine Augen leidend. R. hat viel Not, ein Teil des Klavierarrangements der Götterdämmerung kommt an und ist unspielbar und unverständlich; die Mittelstimmen überfüllen, und das Hauptmotiv geht unter. An seine Partitur kommt R. nicht, was ihn sehr betrübt. „Meine Sache wäre, immer…

View more

Ich bin durch eine Mittheilung des Herrn Batz im höchsten Grade aus der Fassung gebracht worden. Er hatte mir zuletzt im Jahre 1872, nachdem ich ihn beauftragt hatte, mich von J.J. Weber loszumachen berichtet: J.J. Weber bestehe (Ehren halber) nur noch auf einer zweiten Auflage und übergebe mir von dann…

View more

Frühlingswetter, mit den Kindern vor- und R. nachmittags (Rollwenzel) spazieren gegangen. Große innere Müdigkeit, Todessehnsucht. Der Anblick des Theaters kränkt mich jetzt förmlich. „Vielleicht kommt noch das Unbekannte“, sagt R., „denn das Bekannte, auf das man baute, hat uns ganz vollständig verlassen.“ In Gibbon gelesen. Nachts überfällt mich eine Herzens-Congestion,…

View more

Ich muß Ihnen noch, der nöthigen geschäftlichen Ordnung wegen, anzeigen, daß ich mit Hrn. Schott in einem Vertragsabschluß begriffen bin, nach welchem ich ihm, außer den einzelnen Textbüchern zu den Nibelungenstücken auch das Textbuch der „Meistersinger“ zum Vertriebe überlassen habe … Ich erhalte hierfür, was mir augenblicklich sehr wertvoll ist,…

View more

Ich ersehe, daß wir etwas ins Umständliche verfallen, was um so überflüssiger dünkt, als Sie in der Hauptsache mir zu Willen sein wollen, wofür ich Ihnen herzlich Anerkennung und Dank sage! – Ich erwarte nun, was Sie mir für die Zusprechung der Textbücher für die „Nibelungenstücke“ und die „Meistersinger“ nachträglich…

View more

Januar 1874

Dieser Inhalt kann nicht kopiert werden. / This content cannot be copied.